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Wir waren alle "Zeugen des Verfalls" - Hiss in Weimar am 15.11.

Und damit es nicht langweilig wird, gab es gestern gleich den nächsten Gig. Hiss spielten mal wieder in Weimar und das durfte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.

Das Mon Ami ist ein Jugend- und Kulturzentrum im Zentrum von Weimar mit diversen Räumlichkeiten. Kannte das ja bereits aus dem letzten Jahr vom Hiss – Konzert und vom Duo Sonnenschirm im letzten Monat. Der Saal ist nicht zu groß und nicht zu klein, gerade passend für solche Art Konzerte. Da macht es richtig Spaß.

Was soll man zu Hiss sagen? Sie werden immer als die schärfste Polkaband bezeichnet. Möchte da auch nicht widersprechen, aber das erklärt natürlich nicht alles. Die Musik ist eher eine Mischung aus Rock, Blues, Polka und diversen anderen Einflüssen aus aller Herren Länder. Die musikalische Besetzung besteht aus Gitarre, Bass, Schlagzeug (welches stehend gespielt wird), Mundharmonika und Akkordeon. Gesungen wird überwiegend in deutsch, es gibt mittlerweile einige ganz wenige Songs auf Englisch, Spanisch, Rumänisch und ähnliche exotische Sachen.

Und so legen die Jungs eine explosive musikalische Darbietung hin. So war es auch gestern. Obwohl ich glaube, dass alle 5 gestern besonders gut drauf waren. Da ging so was von die Post ab. Zwischendurch wurde auf der Bühne auch untereinander viel gescherzt und gelacht, man merkte, dass das nicht alles zum üblichen Programmablauf gehörte. Einfach köstlich. Und wenn dann der Herr Roth mal wieder ein absolutes Feuerwerk auf seiner Mundharmonika abbrennt, da kann man nur ausflippen. Dazu präsentiert dann der Herr Schuh (der Bassist; und ja, er heißt wirklich so ) diverse „Tanzeinlagen“ mit der dazu passenden Mimik. Da kommen dir echt die Tränen, zum Schießen.

Nicht zu vergessen natürlich auch der Herr im Vordergrund: Herr Hiss am Akkordeon und am Gesang. Der Typ ist zusätzlich der geborene Entertainer, seine Ansagen und Kommentare kann man gern als legendär bezeichnen. Wobei er da immer eine gewisse Macho – Attitüde raushängen lässt. Aber das gehört halt zur Rolle, in Wirklichkeit ist der ein ganz netter. Das merkt man spätestens dann, wenn er hinterher Autogramme schreibt und sich mit dem Publikum unterhält. Und ich behaupte hier: kein anderer kann so schöne Lieder über „Suppe“ schreiben und sie so herzzerreißend interpretieren .

Ansonsten gab es ALLE Songs (wer macht das sonst schon) vom neuen Album „Zeugen des Verfalls“ (davon ist zum Glück noch nicht viel zu merken). Und natürlich durften diverse Klassiker nicht fehlen. Was wäre denn ein Hiss – Konzert ohne „Der Tanz“, „Tequila“, die „Friedhofspolka“ oder die „Königin der Schmerzen“. Das muss sein!!!

Auch die Sache mit dem Kamm durfte gestern wie an jedem Abend nicht fehlen. Also für die wenigen, die das noch nicht miterlebt haben ;-): Wenn bei der Vorstellung der Bandmitglieder der Herr Hiss selbst genannt wird, holt er einen Kamm aus der Hosentasche, zieht diesen zwei- bis dreimal durch seine mit Gel nach hinten gelegten Haare und (jetzt kommt’s) leckt ihn dann ein- oder zweimal ab. Jedes Mal. Und wir erfahren auch, wonach dieser Kamm schmeckt: nach Tod. Er wird nämlich seit 9 Generationen vom Vater an den Sohn weitergegeben, wenn die Zeit reif dafür ist. So hat halt jeder seine Rituale .

Der Saal war leider nur etwa zur Hälfte gefüllt. Aber das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Waren halt die richtigen Leute da. Von Anfang an wurde geklatscht, gesungen, einige wenige haben da bereits getanzt. Gegen Ende war dann der ganze Saal komplett in Bewegung, da gab es kein halten mehr.

Neben diversen erklärenden Zwischentexten zu den einzelnen Songs gab’s am Ende noch eine regelrechte Ode an Weimar (wie schön, wie toll, was für intelligente Leute, welch angehäufter Wohlstand), die selbstverständlich darin gipfelte, man sollte sich einmal im Jahr nach harter Arbeit auch mal was gönnen und nach dem Konzert den Merchandising – Stand der Band besuchen . Dem sind etliche Leute auch nachgekommen.

Dieses Erlebnis kann man wirklich nicht völlig erklären, das muss man einfach mal erlebt haben. Also wer auf ein wenig speziellere musikalische Erlebnisse steht, sollte sich das beim nächsten Mal nicht entgehen lassen!

16.11.08 16:49
 
Letzte Einträge: "Let there be Rock!" - Jay Tamkin in Saalfeld, 31.03.2012, Der Tag geht ... das Bett ruft ;-), Die weiteren Aussichten: durchwachsen, Wer ein Hasen-Omelett will, muss ganz schön viele Eier aufschlagen!, Fallen Tropfen draußen runter, werden auch die Zähne munter. *grins*, Ein Tag wie jeder andere


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